Die AFS-Methode

A steht für AUFMERKSAMKEIT
Die differenzierte Aufmerksamkeit, man könnte es auch Unaufmerksamkeit nennen, spielt bei legasthenen Kindern eine wesentliche Rolle, die dazu führt, im Symbolbereich nicht das leisten zu können, was von ihnen erwartet wird. Bei jedem Legasthenietraining soll die volle Aufmerksamkeit gewährleistet sein, damit ein Idealzustand des Lernens und des Vertiefens entsteht.
Viele Fehler passieren, weil die Gedanken und das Handeln beim legasthenen Menschen nicht im Einklang stehen. Das heißt, dass die Tätigkeit, die ein legasthener Mensch im Symbolbereich ausführt, nicht mit seinen momentanen Gedanken einhergeht. Er ist, wie man so schön sagt: „Nicht bei der Sache“. Dadurch entstehen sogenannte Wahrnehmungsfehler. In anderen Bereichen findet bei diesen Kindern dieser Vorgang nicht statt. Deshalb ist es auch falsch, diese Kinder als „unkonzentriert“ zu bezeichnen. Diese Kinder können sich oft stundenlang einer Sache widmen, die ihnen Spaß macht, wie z.B. das Legospiel. Nur Symbole erzeugen bei ihnen im Unterbewusstsein eine Ablehnung, für die man sie aber nicht verantwortlich machen kann. Es ist eher als eine Anlage anzusehen. Wichtig bzw. vorrangig muss nun die Bestrebung sein, die Kluft der Gedanken zum Handeln beim legasthenen Kind zu schließen.
Das Zusammenführen der Gedanken und das gleichzeitige Handeln ist nun das oberste Ziel.
Das bewusste Steigern der Aufmerksamkeit muss erreicht werden, wenn geschrieben, gelesen oder gerechnet wird.

F steht für FUNKTIONEN
Die Funktionen, die sogenannten Sinneswahrnehmungen, auch Teilleistungen genannt, sind bei legasthenen Kindern differenziert. Es ist abzulehnen, von Störungen, Schwächen oder Krankheitsbildern zu sprechen. Legasthene Menschen haben einfach eine andere Wahrnehmung, sehr schnelle Gedankengänge, die sie in bedingter Weise am richtigen Schreiben, Lesen oder Rechnen hindern. Sie erlernen die Kulturtechniken zwar auch, aber in einer anderen Art, als es ihnen in unserem Schulsystem angeboten wird. Dabei sind zwei Dinge zu beachten: Das legasthene Kind braucht eine längere Zeit, um sich mit den Symbolen problemlos auseinandersetzen zu können, und es muss wesentlich vertiefender Wortbilder oder Rechenprozesse erlernen.
Die Methode beruht auf der logischen Schlussfolgerung, dass ein legasthener Mensch nur durch ein spezielles und umfangreiches Training dazu imstande ist, das Schreiben, Lesen und auch Rechnen zu erlernen.
Die Sinneswahrnehmungen, die Funktionen, müssen durch ein gezieltes Training verbessert werden.

S steht für SYMPTOM
Das Symptomtraining ist das Training an den Fehlern. Das Schreiben lernt das legasthene Kind nur durch Schreiben, das Lesen nur durch Lesen und das Rechnen nur durch Rechnen. Übung macht den Meister, denn auch das legasthene Kind muss üben, genauso wie jedes andere Kind.
Wichtig ist auch, dass ein Erlernen mit allen Sinnen erfolgt. Das legasthene Kind lernt durch Angreifen am besten. Man sollte daher dem Kind ermöglichen, sich Buchstaben und Wortbilder dreidimensional zu merken.
Wichtig ist, dass dem legasthenen Kind zuerst das Wortbild des zu bearbeitenden Wortes gezeigt wird, um damit hantieren zu können. Das Wort ist mehrfach aufzubauen, wieder zu zerlegen und wieder aufzubauen.
Dann wird der Wortklang erarbeitet. Mehrmals ist der Klang des Wortes zu wiederholen, das Kind soll den Wortklang von einer anderen Stimme hören und von der eigenen. Man kann das Wort buchstabieren und lautieren. Es ist dem Kind bewusst zu machen, dass jedes Wort nur aus Buchstaben besteht.
Schließlich muss die Bedeutung des Wortes erarbeitet werden. Für ein legasthenes Kind ist die Bedeutung eines Wortes nicht obligat. Kann es zu einem Wort kein Bild finden, so wird die Abspeicherung behindert. Es ist daher dafür zu sorgen, dass das Kind sich eine eindeutige Vorstellung von der Bedeutung des Wortes machen kann, dabei kann auch ein sogenanntes Bedeutungswörterbuch benutzt werden.